Bund Deutscher Architekten

Teilabriss Nuthe-Siedlung muss verhindert werden !

Dem Projekt der Architekten Hinrich und Doris Baller droht massive Gefahr. Der Bund Deutscher Architekten (BDA) als einer der Träger der Baukultur sieht sich in der Pflicht, das Schlimmste zu verhindern. Es droht ein Abriss des Wohngebäudes an der Nuthestraße. Der Kopfbau mit der Parkpalette im Untergeschoss und den Terrassenwohnungen in den Obergeschossen soll ver- schwinden. Wer sich das Luftbild der Anlage ansieht, erkennt sofort die städtebauliche Relevanz und Originalität dieses Gesamtkunstwerkes. Was ist eine Schlange ohne Kopf? Nur Zyniker und Frevler können durch den Abriss einen Gewinn sehen.

Die Landeshauptstadt hat unter enormen Druck eine rasante Entwicklung nach der Wende durchlaufen, bei der Qualitätsstandards oft auf der Strecke blieben. Gerade in der bebauten Umwelt macht sich diese Entwicklung deutlich. Hier ist besonders der Wohnungsbau betroffen. Es verstärkt sich der Eindruck: Je mehr der Druck wächst, je mehr gebaut wird, desto schlechter sind die Ergebnisse – und das allerdings mit fatalen Folgen.

30 Jahre nach der Wende ist es an der Zeit, sich an die guten Beispiele des Wohnungsbaus zu erinnern. Da ist als eines der ersten und wichtigsten Projekte die Errichtung der sogenannten Nutheschlange in Potsdam zu nennen.
Geplant als Lärmschutz für die Bewohner des Zentrums Ost, gelegen am Weltkulturerbe Park Babelsberg, entwickelt auf ehemaligen Garagenkomplexen, ist hier eine hervorragende Wohn- idylle entstanden, die in Potsdam ihresgleichen sucht.

Die Architektenkammer Brandenburg führte innerhalb des Projektes Stadtentdecker unter dem Thema: „Das menschliche Maß“ eine Gruppe von Schülerinnen und Schüler auf das Areal der Nutheschlange. Deutlich regierten die Jugendlichen sehr positiv auf den qualitativen Unterschied zwischen der quadratischen Großform „Platte“ und den frei gestalteten differenzierten Formen, die am Ende ja auch eine serielle Bauweise darstellen. Wir sind den nachfolgenden Generationen diese identitätsstiftenden guten Architekturbeispiele schuldig, hinter denen offensichtlich eine andere Philosophie als „praktisch, quadratisch, gut“ steht.

Deshalb fordern wir:

  • –  Ein Moratorium und Offenlegung der Gutachten, die angeblich die hohen Kosten der Sa-

    nierung nachweisen sollen.

  • –  Die Einbeziehung der Bewohnerinnen und Bewohner in die Entscheidung zum Abriss und

    die Berücksichtigung deren berechtigter Interessen. Denn sie sind unmittelbar von der Veränderung betroffen.

  • –  Bei der Betrachtung zur Wirtschaftlichkeit müssen soziale und ökologische Aspekte einbe- zogen und abgewogen werden.

  • –  Sanierung muss Vorrang haben vor Neubau. Der Priorität muss dem Erhalt und der sinn- vollen Nutzung zukommen und nicht dem leichtfertigen Abriss. Der Bestand ist unsere graue Energiereserve.

  • –  Gebraucht wird eine Kultur des Erhaltens und Bewahrens, nicht des Wegwerfens und Zer- störens von gewachsenen Strukturen.

    „Ein Zyniker ist ein Mensch, der von allen Dingen den Preis kennt und von keinem den Wert weiß.“
    Oscar Wilde

Schließen Sie sich unserem Protest an !

Verantwortlich im Sinne des Pressegesetzes: BDA Brandenburg, Landesvorstand, Textverfasser Michael Küssner und Norbert John
Potsdam, den 21.06.2019

Wenn Sie den Protest gegen den Teilabriss unterstützen möchten – sei es mit Ihrer Unterschrift oder/und einer Erklärung, senden Sie diese bitten an

nutheschlange@gmx.de

die Redaktion